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Ein Tag mit der BRK Motorradstreife Augsburg-Land

Samstagmorgen, 07:30 Uhr
Die beiden Rettungsassistenten Thomas Haugg und Stephan Deibler beginnen ihren Dienst bei der Motorradstreife im Kreisverband des Roten Kreuzes im Landkreis Augsburg.
Rund 100 Fahrer verstärken bayernweit mit ihren Motorrädern die Rettungsdienste zur Hauptreisezeit, in Augsburg sind es derzeit elf.

Doch bevor die beiden Motorradsanitäter auf ihren Streifendienst gehen, ist allerdings der tägliche Check der Motorräder und der medizinischen Ausrüstung angesagt. Vom Ölstand über Lichttest bis zur Funktion des EKG wird alles nach Liste überprüft, damit im Ernstfall nichts schief geht.
Obwohl das Platzangebot bei den Motorrädern eher gering ist, findet eine umfangreiche Ausstattung Platz: Notfalltasche, Sauerstoff und Defibrillator gehören genauso dazu wie Feuerlöscher, Funk, Mobiltelefon und Navigationsgerät.
Um 08:20 Uhr verlassen die Einsatzmotorräder den Kreisverband in unterschiedliche Richtungen.

Für Stephan Deibler lässt der erste Einsatz nicht lange auf sich warten. In der Raststätte Streitheim auf der A8 hat es einen Unfall gegeben. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, der Sachschaden ist dennoch groß. Für ein Ehepaar ist die Urlaubsreise schon nach wenigen Kilometern beendet.

Stephan Deibler spricht mit den Reisenden, tröstet. Wenn Rettungsdienste und Polizei zum nächsten Einsatz eilen müssen, hat die Motorradstreife Zeit für die Unfallbeteiligten. „Manchmal ist es einfach nur reden und zuhören, das hilft“, sagt er. Dass er Recht hat, sieht man. Nach kurzer Zeit löst sich die Anspannung. Der Sanitäter säubert noch die Unfallstelle, entfernt Scherben und Fahrzeugteile. Danach geht es wieder auf Streife.

Es ist 10:00 Uhr. Die Fahrzeuge quälen sich durch die Baustelle im Bereich Augsburg bis Adelzhausen. Wenn hier ein Unfall passiert, sind die Motorräder oftmals die einzigen, die durchkommen. So wie vor wenigen Wochen, als Autofahrer stundenlang im 10 Kilometer langen Stau standen und das Rote Kreuz Betreuungsstellen einrichten musste.

Überhaupt gibt es kaum einen Abschnitt auf der A8, an dem Haugg und Deibler noch nichts erlebt haben.
Sie erzählen von einem älteren Herrn, der mit seinem Auto auf dem Standstreifen stand.  „Es sah so aus, als würde er in einer Karte nachsehen“. Die beiden Rettungsassistenten sahen trotzdem nach dem Rechten und retteten dem Bewusstlosen, der einen Unterzucker erlitten hatte, wahrscheinlich das Leben.
Oder von dem Verkehrsunfall, den beide quasi beobachtet hatten. Trotz der sofortigen Hilfe verstarb ein junger Mann noch in seinem Auto. „Das war sehr schlimm. Manche Bilder bekommst du nicht mehr aus deinem Kopf.“

Stephan Deibler findet jetzt Zeit für einen Kurzbesuch beim THW in Dasing. Die Kollegen der Ortsverbände Augsburg und Friedberg unterhalten einen Hilfeleistungsdienst, der wie die BRK-Streife ehrenamtlich auf der A8 tätig ist. Probleme zwischen den Organisationen oder Konkurrenz wie andernorts gibt es hier nicht. „Auf der Autobahn helfen wir alle zusammen, da hat Egoismus keinen  Platz“, so Stephan Deibler.

12:00 Uhr, Mittagspause. Stephan Deibler trifft sich mit seinem Kollegen Thomas Haugg an der Raststätte Augsburg-Ost. Die beiden kennen sich seit 20 Jahren und sind freundschaftlich miteinander verbunden. Dass sie rein ehrenamtlich tätig sind, stört sie nicht. „Hier kann ich Hobby mit Sinnvollem verknüpfen“, sagt Haugg.

Viel Zeit für eine Pause gibt es sowieso nicht. Sobald die Motorradsanitäter an den Raststätten stehen, werden sie angesprochen und geben Auskünfte. Ein Holländer möchte den nächsten Weg nach Nizza wissen. Und ein Franzose bittet Haugg, ihm sein Navigationsgerät zu programmieren. Alles kein Problem.

Plötzlich muss es schnell gehen: Nur wenige Kilometer vom Standort der Streife hat sich ein PKW überschlagen. Mit Blaulicht und Martinshorn eilen die Motorräder zum Unfallort. Die Insassen hatten großes Glück; sie wurden nur leicht verletzt. Das Fahrzeug hat allerdings nur noch Schrottwert.

Am Einsatzort treffen Deibler und Haugg ihren Kollegen Lorenz Dollinger, ebenfalls ein langjähriger Motorradsanitäter, der auf dem Rückweg von einer Fortbildung den Unfall beobachtete. Kurzerhand leistete er Erste Hilfe und kümmerte sich bis zum Eintreffen der Polizei um die Verkehrslenkung.

Wieder auf der A8 geht es Schlag auf Schlag: ein defekter LKW blockiert eine Fahrspur bei Dasing. Das THW ist bereits vor Ort und sichert die Pannenstelle. Thomas Haugg steht 1 km weiter vorne und warnt die Autofahrer vor der schlecht einsehbaren Gefahrenstelle. "Es kommt häufig vor, dass Autofahrer im Baustellenbereich mit überhöhter Geschwindigkeit fahren, die Spur wechseln und die Gefahr besteht, dass sie in das Strauende rasen", berichtet Haugg.

Zu gleicher Zeit fährt Stephan Deibler mit Blaulicht zu einem angeblichen Verkehrsunfall. Ein Mitteiler hat am Rande der Fahrbahn einen Motorradhelm gefunden und einen Unfall vermutet. Vor Ort stellt sich allerdings heraus, dass der Helm wohl verloren wurde. Weder Rettungsdienst, noch Notarzt oder Polizei machen dem Mitteiler Vorwürfe. „Es ist gut, dass sich die Leute kümmern und nicht wegsehen. Lieber fahren wir 100 mal umsonst, als einmal überhaupt nicht“, ist sich Stephan Deibler mit allen anderen Rettungskräften einig.

Nur kurze Zeit später: ein Fahrzeug steht am Anfang der Baustelle. Ein Fahrer wartet hier nur auf seinen Kollegen, der weiter hinten gefahren ist. Stephan Deibler schickt ihn weiter. Mitten auf der Autobahn kann so was gefährlich sein. In diesem Fall auch für den Fahrer das einzig richtige:  500 Meter weiter steht der vermutete Nachzügler und wartet seinerseits auf den anderen.  

Nur 1 km weiter ein ähnliches Bild. Diesmal haben Reisende eine Panne und warten auf den Pannendienst. Der PKW steht nicht Verkehrs behindernd und für die Streife gibt es nichts zu tun. An heißen Tagen führt die Motorradstreife auch Getränke mit sich, die heute allerdings nicht benötigt werden.

Nach fast 500 km Streifenfahrt, 13 Stunden Dienst und 20 Hilfeleistungen sind Stephan Deibler und Thomas Haugg wieder am Standort des BRK an der Gabelsberger Straße angekommen.
Die Sonne geht schon unter und leuchtet dunkelrot. Zum Abschluss der Schicht werden die Motorräder gereinigt und die Einsatzberichte geschrieben. Danach sind beide „irgendwie platt“.
Den ganzen Tag in der Motorradkleidung bei hohen Temperaturen schlaucht. Trotzdem freut man sich auf den nächsten Dienst.

Und Thomas Haugg ist schon am nächsten Tag wieder auf der A8.

 

 

 

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Saison 2010:


13.05.2010 bis 19.09.2010